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Vervoorts & Schindler Architekten BDA

Büroräume
2017 Bochum

Die Räumlichkeiten des Architekturbüros Vervoorts & Schindler Architekten BDA auf dem Steinring stießen an Ihre Grenzen. Das Büro ist seit der Gründung im Jahre 1994 kontinuierlich gewachsen und umfasste vor dem Umzug 20 festangestellte Mitarbeiter. Die vorhandene Bürofläche, im Wesentlichen aufgeteilt in zwei Großraumbüros, konnte keine weiteren Arbeitsplätze mehr aufnehmen. Nach längerer intensiver Suche bot sich Ende 2016 eine freistehende Bürofläche im denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude der ehemaligen Westfälischen Gussstahlwerke, in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auch Standort der Ingenieurschule, auf der Kohlenstraße an. In der im 1. Obergeschoss liegenden, den kompletten westlichen Flügel umfassende 350 Quadratmeter großen Bürofläche sahen wir die Chance, ein unseren Bedürfnissen und den heutigen Anforderungen zugeschnittenes Arbeitsumfeld für unser Team zu schaffen.

Da die letzte Renovierung der Räumlichkeiten des ehemaligen Besitzers bereits mehr als 40 Jahre zurücklag, mussten die Räume komplett modernisiert werden. Die Räume versprühten den verblichenen Charme der siebziger Jahre und die Raumaufteilung musste an die Struktur und Arbeitsweise unseres Architekturbüros neu angepasst werden. Auch war eine heute unabdingbare IT-Infrastruktur nur rudimentär vorhanden. Doch das neue Büro sollte nicht nur die dringend benötigten Fläche schaffen und uns die Möglichkeit bieten unsere Arbeitsabläufe zu verbessern, sondern auch gleichzeitig Ausdruck unseres eigenen Architekturschaffens sein und dadurch unsere Außendarstellung stärken. Ein Merkmal unseres Büros ist die Entwicklung und Umsetzung der Projekte im Team.

So haben wir selbstverständlicher Weise vor Beginn der Konzepterarbeitung mit allen Mitarbeitern die neuen Räumlichkeiten besichtigt und über den Jahreswechsel 2016/2017 das Konzept erarbeitet, während wir parallel die vollständige Entkernung der Räume durchführen ließen. Unter intensiver Beteiligung der Mitarbeiter, viele kamen mit Ihren Ideen und Entwürfen aus dem Weihnachtsurlaub, kristallisierten sich sehr schnell drei Konzeptschwerpunkte heraus. Zum einen sollte weiter die von allen Mitarbeitern als positiv empfundene gemeinsame Projektbearbeitung bei wechselnden Teams in einer Großraumatmosphäre beibehalten werden. Allerdings unter Berücksichtigung von getrennten aber ineinander übergehenden Raumbereichen mit der Berücksichtigung einer verbesserten Raumakustik. Zum anderen sollte die in unserem Büro bestehende räumliche Trennung zwischen den Bereichen Planung und Bauleitung beibehalten werden. Als dritter Schwerpunkt galt es ein Konzept zu entwickeln, um den über die Jahre mitgeschleppten Charakter des Büroprovisoriums abzulegen und sowohl dem Büro und den Mitarbeiten ein „festes Zuhause“ zu geben als auch in der Außenwirkung deutlich zu signalisieren, das sind wir, das dürfen unsere Bauherrn zumindest von uns erwarten. Die vorhandene Gebäudestruktur, die die von uns angemietete Fläche auf zwei rechtwinklig zueinander stehende Gebäudeflügel aufteilte, ließ problemlos die Umsetzung des Konzeptes der Aufteilung in einen Planer- und Bauleiterbereich je Flügel mit einem zentralen Gelenkpunkt, in dem sich das Sekretariat , die Besprechungsräume und Teeküche sowie Server- und Plotterraum integrieren ließen, zu.

Schwieriger gestaltete sich die Umsetzung des Konzeptes in gemeinsame große Arbeitsbereiche unter der Berücksichtigung einer verbesserten Raumakustik, da die Fläche aus mehreren kleinen Räumen bestand. Hier kam uns zugute, dass wir uns relativ frühzeitig aufgrund der vorgefundenen Substanz dazu entschlossen hatten, die Fläche komplett einschließlich aller Raumtrennwände und abgehängten Decken zu entkernen. Die durch den Rückbau der abgehängten Decken erkennbar werdenden Raumhöhen von 4,50 m, brachten völlig neue Raumproportionen, die uns ein Konzept des Großraumbüros mit eingestellten, aber nicht raumhohen Trennungen ermöglichte. So erhält der neue Planerbereich eine besonders hohe Innenraumqualität, indem pointiert in die Mitte platziert, ein schwarzer, nicht raumhoher Kubus als Muster- und Materiallager zur Zonierung der Arbeitsbereiche eingesetzt ist.

Die Einbauten sind so gesetzt, dass zwei Achsen entstehen, die zugleich die Haupterschließung zwischen den beiden Abteilungen bilden und sich im Sekretariat kreuzen. Gesäumt werden beide von abgehangenen Deckenleuchten, die deren Geradlinigkeit prägnant betonen. Die Erschließungsachse zur Bauleitungsabteilung ist optisch aufgewertet durch weiße, in den Flur hineinragende Kästen im Kontrast zu einer schwarzen Flurwand. Diese bilden gleichzeitig eine Garderobe und eine Sitzgelegenheit für Besucher. Gestalterisch beabsichtigt bildet die weiße Fußleiste eine optisch durchgehende, auf und ab springende akzentuierte weiße Linie. Als bewusster Kontrast zu dem Farbkonzept der Decken und Wände, wurden warme Naturtöne für den Bodenbelag in Holzoptik und für die Vorhänge, die als Blend- und Sonnenschutz dienen, gewählt.

Der ehemalige Raum zwischen der alten Abhang- und der Rohdecke wurde in jedem Raum schwarz gestrichen. Der Eindruck entsteht, als wären die Räume noch höher, da man die Abschlusskanten nicht mehr wahrnimmt. Außerdem wurde die Elektroverkabelung in diesen Zwischenraum verlegt und ebenfalls schwarz angestrichen. Im Kontrast zur dunklen Decke hängen weiße, rechteckige Akustikdeckensegel optisch direkt über den Arbeitsplätzen. Diese dienen gleichzeitig als Reflexionsfläche für die indirekte Beleuchtung der abgependelten Deckenleuchten.

Besonders viel Wert gelegt wurde auf die Planung eines großen Besprechungsraumes, der bei Bedarf auch als Pausenraum für die Mitarbeiter verwendet wird. Ein großes Deckensegel mit vier integrierten Lichtkanälen und einer prägnanten Pendelleuchte in Verbindung mit einer stimmungsvollen Bilderreihe auf Aluverbundplatten platziert über einem hochglanzweißen Sideboard, verschaffen dem Raum einen sehr hochwertigen Eindruck.

Im Zuge des Tages der Architektur, am 24. Und 25. Juni 2017 konnte das Büro einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die hohe Besucherzahl und die überaus positive Resonanz, haben uns bestätigt, dass es uns gelungen ist, durch den Umbau mit einem gut durchdachten Konzept des Großraumbüros mit einer hohen Innenraumqualität einen Mehrwert für die Mitarbeiter und die Bauherrenbetreuung geschaffen zu haben.

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